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ABC der Nachhaltigkeit - Weit mehr als leere Worte


von Marcus Bauer

Tourismus ist heute weit mehr als die bloße Ortsveränderung von Reisenden von A nach B. Die Ansprüche an den weltweit größten Dienstleistungssektor steigen. Im Deutschen fehlen oftmals noch die Worte für diese Neuerungen im internationalen Tourismus-Zirkus. Was steckt hinter den Begriffen, die im englischsprachigen Raum rapide an Bekanntheit gewinnen? Wir schauen einige von ihnen näher an.

CSR

CSR ist ein Akronym für Corporate Social Responsibility. Viele Unternehmen engagieren sich freiwillig für eine nachhaltige Entwicklung in einem Rahmen, der über die gesetzlichen Vorgaben hinausreicht. CSR umfasst soziale und ökologische Aspekte, sowohl innerhalb des Unternehmens als auch im Zusammenwirken mit externen Partnern. Es geht nicht um einen zusätzlichen Geschäftsbereich und auch nicht um wohltätige Spenden, die aus dem Kerngeschäft herausgegliedert sind. Vielmehr sind offene und transparente Geschäftspraktiken gefragt, unmittelbar gekoppelt an moralische Grundwerte. Um glaubhaft zu sein, muss CSR einem hohen Anspruch gerecht werden: Es gilt, Abläufe so zu gestalten, dass ein dauerhaft positiver Beitrag zur gesamten Gesellschaft erreicht wird. 

Responsible Travel

Eine wachsende Anzahl von Menschen verlangt von ihren Reisen, dass diese einen positiven Beitrag zur Entwicklung der Gesellschaft und Umwelt im Zielgebiet leisten. Sie sind auf der Suche nach einem besseren Einblick in die Kultur der Menschen, die ihnen am Urlaubsort begegnen. Tourismus bringt die Voraussetzungen mit, Orte zu schaffen, in denen Menschen besser leben und in denen man deswegen auch besser Urlaub machen kann. Das Prinzip ist einfach: Andere so zu behandeln, wie sie gerne behandelt werden möchten. Klingt das kompliziert? Wir müssen uns nur vorstellen wie unverantwortlicher Tourismus aussieht, und dann genau das Gegenteil praktizieren. 

Community Based Tourism

Community Based Tourism (CBT) ist eine Form von Tourismus in der die lokale Gemeinschaft substanzielle Kontrolle und Mitbestimmung über die Entwicklung und das Management des Tourismus in der Destination hat. Wichtig ist, dass der Hauptanteil der Einnahmen aus den Besuchen im Reisegebiet verbleibt. CBT umfasst Reiseangebote, die naturnahe und für die Wirtschaft vor Ort „bereichernde“ Erlebnisse ermöglichen: Lokale Unterkunft, regionales Essen, Musik, Kunst, Kunsthandwerk und die Wertschätzung von Traditionen. Mittels CBT können lokale Gemeinschaften in ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Entwicklung unterstützt und gestärkt werden.

Indigenous Tourism

Das Hauptmotiv für Indigenen Tourismus ist der Wunsch von Reisenden ‘authentischen’ Kontakt zu Angehörigen indigener Gruppen zu haben, deren Lebensweise sich merklich von der eigenen unterscheidet. Die ethnische Gruppe ist dabei direkt involviert, entweder indem sie selbst als Tourismus-Anbieter auftritt und/oder indem ihre Kultur die Hauptattraktion der touristischen Leistung darstellt. Für die oftmals marginalisierten „Ur-Einwohner“ bietet Tourismus eine wirtschaftliche Entwicklungsperspektive. Die Herausforderung besteht darin, Angebote so zu gestalten, dass es nicht zu einem Ausverkauf oder Zur-Schau-Stellen der Kultur kommt, sondern zu einer Begegnung auf Augenhöhe.

Pro-Poor Tourism (PPT)

Der Gedanke liegt nahe, den riesigen Wirtschaftsbereich Tourismus als gezielt zur Armutsbekämpfung in diesen Gegenden einzusetzen. Pro-Poor Tourism ist nicht als neues Produkt konzipiert, sondern knüpft gezielt an bestehenden Geschäftsprozessen an. Diese werden so adaptiert, dass arme Menschen effektiver an der Tourismusentwicklung teilhaben. Das kritische Moment ist nicht die Art des Unternehmens oder die Art des Tourismusangebotes, sondern der nachweisliche Zuwachs im Nettogewinn für arme Menschen im Zielgebiet. Neben der Schaffung von Arbeitsplätzen kann auch die Möglichkeit zur Mitnutzung von Infrastruktur einen erheblichen Nutzen bringen.

Low Carbon Travel

Reisen ist ein Mitverursacher des Klimawandels, und besonders Flugreisen sind gekennzeichnet durch hohe Emissionen. Tourismus kann aber auch positiv zum Umweltschutz und zur Entwicklung in den Urlaubsgebieten beitragen. Obwohl viele Touristen dieses Paradoxon kennen, möchten Sie nicht auf Reisen verzichten. Immer mehr Veranstalter greifen die Klima-Thematik auf und passen ihre Reiseprogramme entsprechend an: Wo Hochgeschwindigkeitszüge zur Verfügung stehen, kann leicht auf Kurzstreckenflüge verzichtet werden. In den Destinationen bieten sich Erkundungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad als Alternative zu Bus-Touren an. Und auch die Wahl der Unterkunft kann einen Unterschied machen: Sind die Klimaanlage und der beheizte Privatpool mit Meerblick wirklich unverzichtbar für einen unbeschwerten Urlaubsgenuss?

Travel Philantropy

Auf Reisen als Privatperson etwas zur Gemeinschaft beitragen. So in etwa lässt sich das in den USA sehr beliebte Konzept der Travel Philantropy ins Deutsche übertragen. Spenden sind oftmals gesichtslos und anonym. Wenn sie dort eingesetzt werden, wo auch Tourismus stattfindet, liegt die Schnittstelle auf der Hand: Reisende können selbst erleben, wie Entwicklung vor Ort umgesetzt wird. Sie können auf diese Weise zu Botschaftern für die gute Sache werden. Überall auf der Welt stellen heute Reisende und Tourismus-Unternehmen ihre Zeit, ihr Geld oder ihre Kenntnisse zum Wohlergehen von lokalen Gemeinschaften zur Verfügung. Sie helfen mit, dass Arbeitsplätze entstehen, Fertigkeiten geschult werden, das Gesundheits- und Bildungswesen verbessert wird und dass Naturschutz eine erhöhte Bedeutung erlangt. Voluntourism, die freiwillige Betätigung in Projekten als Bestandteil oder Hauptgegenstand des Urlaubs, ist Bestandteil von Travel Philantropy.

Hospitality Exchange

Ein Hospitality Exchange oder Homestay Netzwerk ist eine Organisation, die Reisende mit Einheimischen in den besuchten Gebieten verbindet. In welchem Umfang die Gastfreundschaft zur Verfügung gestellt wird ist sehr unterschiedlich. Die Spanne reicht von Reisetipps per E-Mail bis hin zur Einladung zum Essen oder in die Wohnung des Gastgebers. Durch das Internet haben solche Netzwerke in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Einige Plattformen haben mehrere Hunderttausend Mitglieder. Oftmals wird Hospitality Exchange vereinfachend als „kostenlose Übernachtungsmöglichkeit“ dargestellt. Im Gegensatz zur professionellen Beherbergungsindustrie erfordern erfolgreiche Gast-Gastgeber-Beziehungen aber eine viel umfassendere Beschäftigung mit den lokalen Gepflogenheiten des Reisegebietes.

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