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ABC der Nachhaltigkeit 2: Von Lokal-Reisen und Ökotourismus


von Susanna Hagen

Teil 2 der englischen Begriffswelt aus dem nachhaltigen Tourismus: Lokal-Reisen, CO2-Fussabdruck, Ökotourismus "Homestay" und "Greenwashing".

Local Travel – Lokal-Reisen

Vorbei sind die Zeiten als Menschen stolz von sich behauptet haben: „Ich bin Tourist!“ Heute ist man bestenfalls Reisender und bewegt sich möglichst weit entfernt von den ausgetretenen Pfaden des Massentourismus. Das Internet bietet die Möglichkeit, lokale Informationen und Kontakte zu finden, und so die Urlaubsregion „auf Art der Einheimischen“ zu erkunden. Die Reisenden suchen aktiv Kontakt zur lokalen Bevölkerung, probieren die regionale Küche und schlagen sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch. Meist vorbei an den Angeboten der Tourismus-Marketingprofis. Spontaneität ist oberstes Prinzip, eine gesunde Neugierde und Offenheit der Preis und authentische Erlebnisse die Belohnung für Lokal-Reisen. Ganz im freien Fall wollen sich die Lokal-Reisenden dann aber doch nicht in die weite Welt stürzen. Und so gibt es mittlerweile einige Internet-Plattformen, die sich auf dieses Segment spezialisiert haben. Sie bieten ein weltweites Netz von lokalen Experten, die mit Rat und Tat zu Seite stehen. Ganz so wie in der guten alten Zeit die American Express Büros und dergleichen. Neuer Wein in alten Schläuchen, aber auch ein Signal an die Branche: Mehr Mut zu neuen Programmen und raus aus dem Sightseeing-Bus.

Carbon Footprint – CO2 Fußabdruck

CO2 trägt zum Treibhauseffekt in der Erdatmosphäre und damit zum Klimawandel bei. Kohlendioxid ist eine ganz natürliche Verbindung, ein Produkt organischen Lebens. Aber auch hier gilt: Auf die Dosis kommt es an. Die Errungenschaften moderner Technik, vom Kühlschrank bis zum Düsenjet produzieren CO2. Und eine ständig wachsende Erdbevölkerung möchte in den Genuss dieser Fortschritt-Produkte kommen. Weil das Klima aber nur eine bestimmte CO2-Menge verträgt, und alle Menschen die gleichen Rechte haben sollen, errechneten Umweltwissenschaftler, welches Budget jedem Weltbürger theoretisch zusteht. CO2-Rechner ermöglichen die Kalkulation einer individuellen Bilanz: den CO2-Fußabdruck. Die Berechnungen enthalten die Auswirkungen von Produkten, Unternehmen, Dienstleistungen etc. auf die Umwelt. In den Industriestaaten leben die Menschen klima-technisch auf zu großem Fuß. Um die weltweiten Klimaziele einzuhalten, die die Wissenschaftler als akzeptabel für das Klima erachten, sind daher Einsparungen im CO2-Ausstoß in diesen Ländern unabdingbar. Und hier ist nicht nur die Industrie, sondern jeder Einzelne gefordert. Öfter einmal das Auto gegen das Fahrrad eintauschen, nicht jeden Tag Fleisch auf dem Teller und anstelle einer Flugreise in die Karibik ein Bahnurlaub in der Region sind Änderungen im Lebensstil, die sich positiv in der persönlichen CO2-Bilanz niederschlagen.

Greenwashing – Grünfärberei

Dieser Ausdruck bezeichnet keineswegs die Reinigung von Rasenflächen, sondern vielmehr die Unart vorwiegend großer Konzerne sich einen grünen Anstrich zu verleihen, um auf der Trendwelle Nachhaltigkeit möglichst oben zu schwimmen. Oft sind es nur Lippenbekenntnisse, die der Öffentlichkeit trickreich mittels PR aufgetischt werden, um einem Unternehmen in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und sozial verantwortungsvolles Image zu verleihen. So behaupten manche Unternehmen mitunter, den Welthunger und die Armut zu bekämpfen, und es soll auch Reiseveranstalter geben, die sich damit rühmen, bei der Gestaltung ihrer Reisen besonders umweltschonend und fair zu handeln. Theoretisch sind die Aussagen oft korrekt, beziehen sich aber nur auf einen sehr geringen Teil der Unternehmensaktivitäten, während das Kerngeschäft weder die sozialen noch die ökologischen Prinzipien berücksichtigt. Während viele große Energieanbieter und Ölkonzerne im Verdacht stehen, sich unberechtigt ein grünes Mäntelchen umzuhängen, sind es in der Tourismusindustrie vor allem Luftfahrtunternehmen, die sich gerne ein allzu grünes Image verleihen. Eines ist klar: jeder Schritt in die richtige Richtung – und sei er auch noch so klein – ist zu befürworten und sollte ermutigt werden.

Homestay – Traditionelles Wohnen mit Familienanschluss

Homestays werden hauptsächlich in ländlichen Gebieten angeboten. Man wohnt bei einer Familie in einem ortsüblichen Haus, einer Hütte oder auf einem Bauernhof. Dabei liegt die Betonung auf der Einbindung in das tägliche Leben: traditionelle Gastfreundschaft, Hausmannskost und die Gelegenheit, Freundschaften für’s Leben zu schmieden inklusive. Der Besucher erlebt die Destination auf diese Weise viel intensiver als bei einer bloßen Stippvisite in einem Dorf. So kann etwa ein Homestay auf einer Gewürzfarm in Südindien bedeuten, dass man nach dem gemeinsamen Frühstück den Bauer auf seine Plantage begleitet und einen Tag mit ihm verbringt, sieht wie er arbeitet und eventuell selber zupackt, ehe man ein Abendessen mit lokalen Spezialitäten genießt. Ein Homestay in einem südafrikanischen Township wird neben der Zubereitung der täglichen Hauptmahlzeit eventuell auch einen Besuch im Gemeindezentrum, der lokalen Schule oder einem Shabeen (Pub) beinhalten usw. Die Qualität der Unterkünfte variiert. Grundsätzlich kann man sich aber meist auf ein sauberes, schönes Zimmer freuen. Viele Länder haben bereits eigene Kataloge für Homestays herausgegeben (z.B. Malaysia) oder bieten sogar eigene Klassifikations-Systeme (z.B. Kerala), die dem Gast die Orientierung bei der Auswahl erleichtern.

Ecotourism – Ökotourismus

Ökotourismus beschreibt verantwortungsbewusstes Reisen in Naturgebiete, das zum Umweltschutz beiträgt und das Wohlergehen der lokalen Bevölkerung verbessert. Es geht also um mehr, als nur um „Ausflüge ins Grüne“. Auch wenn der Begriff in den letzten Jahren so inflationär gebraucht wurde, dass er viel von seiner ursprünglichen Bedeutung verloren hat. Wenn ein Löwe in einem Nationalpark durch Tourismus mehr einbringt, als der Verkauf des Felles auf dem Schwarzmarkt, ist das für die lokale Bevölkerung ein Anreiz, sich aktiv für den Erhalt des Lebensraumes einzusetzen. Vorausgesetzt allerdings, dass die Einnahmen aus dem Tourismus auch den Menschen zugute kommen, die in ständiger Nachbarschaft zur Großkatze leben. Es ist schwer, den Wert von Artenvielfalt und von Naturräumen volkswirtschaftlich zu berechnen. Im Gegensatz zu Bauland gibt es für Schutzgebiete kein Investitionsvolumen. Mittels Tourismus kann aber auch solchen Gebieten eine wirtschaftliche Bedeutung zugemessen werden. Und wenn die Besuchereinnahmen sinnvoll in die Verbesserung der lokalen Infrastruktur – in Schulen, Wasserversorgung und Gesundheitsvorsorge – investiert werden, dann kann man wirklich von Ökotourismus sprechen.

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